In meinem letzten Blog zum Thema Vorwärtsbeugen habe ich dich gefragt, wann Du dich das letzte Mal nach vorne gebeugt hast.
Heute stelle ich dir die Frage, wann hast Du dich das letzte Mal nach hinten gebeugt? Deine Körpervorderseite gestreckt?
Rückbeugen sind landläufig nicht sehr beliebt. Oft schwirrt in den Köpfen herum, dass Rückbeugen nicht gesund sind für den Rücken.
Warum ist unsere Wirbelsäule dann aber in alle Richtungen beweglich?
Im Gegenteil sind Rückbeugen sogar sehr wichtig für deinen Körper! Denn es geht nicht um zirkusreife Artistik. Und schon mal vorneweg: Um Verletzungen zu vermeiden, sind die richtige Ausführung sowie Geduld und Achtsamkeit wichtig. Hast Du bereits Probleme, über unter Anleitung eines ausgebildeten Lehrers oder Therapeuten.
Rückwärtsbeugen stellen grundsätzlich keine natürliche Bewegung dar wie Vorwärtsbeugen.
Anatomisch wird die Brustwirbelsäule nach hinten gestreckt und damit dein Brustkorb geweitet, gleichzeitig der Lungen- und Herzbereich geöffnet.
Wichtig! Die Bewegung erfolgt nicht über die Nackenwirbel oder die Lendenwirbelsäule!
Die Rückenmuskulatur wird gekräftigt, während die Körpervorderseite gedehnt wird, insbesondere deine Brust- und Bauchmuskeln und auch die Leisten und Oberschenkelvorderseiten.
Durch die Öffnung der Bauchmuskulatur wird dein Verdauungssystem gestreckt. Verdauungsprobleme können sich lindern. Die Öffnung der Brustmuskulatur (die Zwischenrippenmuskulatur) ermöglicht einen tieferen Atem, die Sauerstoffversorgung nimmt zu, Du fühlst dich frischer und konzentrierter. Wir Yogis sagen sogar, Rückbeugen wirken verjüngend und energetisierend auf Körper und Geist.
Rückbeugen stimulieren die Thymusdrüse, die für die Abwehrkräfte im menschlichen System zuständig ist.
Die gestärkte Rückenmuskulatur sorgt für eine aufrechte Haltung. Das löst Verspannungen im Rücken, deine Schultermuskulatur wird beweglicher.
Nachdem Du jetzt weißt, welche anatomische Wirkung die Rückbeuge hat, wie sieht dein Alltag aus?
Die meisten von uns sitzen oder stehen einseitig im Alltag. Der Oberkörper ist nach vorne gerichtet, die Schultern hängen oft. Dadurch muss die Halswirbelsäule den schweren Kopf tragen und ausgleichen, wir verspannen im Nacken. Die Rundung im oberen Rücken lässt den Brustkorb eng werden, was den Atemfluss beeinträchtigt.
Übrigens verstärken sich im Alter die Rundungen im Rücken, da der Knochen mehr abgebaut wird als aufgebaut und auch die Bandscheiben nicht mehr so elastisch sind.
Hinzu kommt heute der „Smartphone-Höcker“ früher „Witwenhöcker“ genannt, da er vorwiegend alte Frauen betraf. Heute laufen bereits junge Menschen mit einem verkrümmten Nacken rum und es werden immer mehr.
Emotional wirken Rückbeugen energetisierend. Sie werden daher auch Herzöffner genannt, da – wie oben beschrieben – der Herzraum geöffnet und gedehnt wird.
Sind wir traurig, haben Liebeskummer, Herzschmerz… so macht sich das emotional und aber auch körperlich bemerkbar. Wir ziehen uns zurück und verlieren in solchen Moment unsere „Offenheit“. Der Atem fließt nicht mehr so tief, ist kurz oder sogar hektisch. Vielleicht hast Du schon vom „Broken Heart-Syndrom“ gehört, das mittlerweile als offizielle Diagnose gilt.
Im Yoga üben wir durch „Herzöffner“ neben der körperlichen Öffnung uns auch mental wieder zu öffnen. Herzöffner können lebensbejahend wirken. Durch den tieferen Atem fühlst Du dich wieder kraftvoller, auch auf mentaler Ebene.
Rückwärtsbeugen bedeuten auch Mut. Sie lehren uns Vertrauen, uns „rückhaltlos“ nach hinten ins Unbekannte zu begeben.
Jetzt hast du so viel Gutes über die Rückbeugen gelesen. Und trotzdem ist da dieses Dilemma: Vielen fehlt die Flexibilität und Kraft im Rücken, aufgrund ihres Bewegungsmusters. Andere Bereiche im Körper müssen dies ausgleichen und damit beginnt das Ungleichgewicht. Üben wir nun Rückbeugen, heißt das für viele Angst vor dem Schmerz, der sowieso schon da ist. Der Teufelskreis beginnt.
Bei akuten Beschwerden wie Bandscheibenvorfall, chronische Schulter-Nacken-Beschwerden ist von Rückbeugen abzuraten. Besteht ein intensives Hohlkreuz (Hyperlordose) solltest du milde Rückbeugen bevorzugen und die Lendenwirbelmuskulatur stärken.
Wie oben im Text bereits angemerkt, unsere Wirbelsäule ist nicht überall gleich flexibel. Daher ist die richtige Ausrichtung so wichtig beim Ausführen einer Rückbeuge.
Der Bereich der Lendenwirbelsäule (unterer Rücken) ist am flexibelsten, der Bereich der Halswirbelsäule am wenigsten flexibel.
Viele nutzen die Flexibilität des unteren Rückens, weit in eine Rückbeuge zu gelangen. Und da liegt der Fehler. Hinzu kommen mangelnde Beweglichkeit aufgrund verkürzter Beinrückseiten, schwache Bauchmuskulatur und verspannte Hüftgelenke. Daher ist auch eine gute Vorbereitung von Rückbeugen so wichtig.
Fazit:
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